Nach einer bisher sehr gut verlaufenen Saison mit schönen Rennen stand im August mein Hauptwettkampf an, die Langdistanz beim Embrunman in den französischen Alpen.
Die Charakteristik des Rennens ist vor allem durch eine sehr bergige Radstrecke geprägt (195 km, 4000 Höhenmeter), aber auch die Laufstrecke macht mit ihren 3 Runden und insgesamt 500
Höhenmetern den abschließenden Marathon sehr anspruchsvoll.
Langdistanzen starten immer früh morgens, aber in Embrun geht’s noch im Dunkeln los. Der Massenstart zusammen mit 999 anderen Verrückten, die gleichzeitig ins dunkle Wasser rennen, war kein
Spaß, es wurde gestrampelt und geprügelt. Dem ist leider nach nur wenigen hundert Metern meine Uhr zum Opfer gefallen. Sie löste sich vom Handgelenk und lebt jetzt am Grund des Badesees. Als
sich die wilde Horde im Wasser etwas entzerrt hatte und die Dämmerung einsetzte, wurde das Schwimmen recht angenehm. Ich habe nicht zu viel Kraft verschwendet und kam recht entspannt in die
Wechselzone. (Schwimmzeit 01:00:47)
Ich hatte mich dazu entschieden, mich bei den Wechseln komplett umzuziehen, um den Komfort meiner Lieblings-Radhose und den Stauraum meiner Radtrikottaschen zu nutzen. Direkt nach dem
Schwimmstart ging es erstmal bergauf auf einer Panoramastraße oberhalb des Lac de Serre-Ponçon. Ja, es würden noch tausende Höhenmeter folgen, aber was soll’s, Anstiege sind mein Métier, also
hoch da. Ich drückte die Anstiege hoch und versuchte mich in den Abfahrten und wenigen Flachpassagen so gut es geht zu erholen. Die Strecke ist wirklich umwerfend schön, zunächst im
Sonnenaufgang oberhalb des Sees, dann immer höher hinein in die Berge und durch Schluchten hindurch bis zum Anstieg des Col d’izoard, dem Highlight der Radstrecke. Auch diesen Pass bin ich
stetig, aber mit Druck hochgefahren und habe dabei einige Mitstreiter eingesammelt. Oben an der Passhöhe wartete nicht nur die persönliche Verpflegung, sondern es war auch etwa die Hälfte der
Radstrecke geschafft. Die anschließende Abfahrt machte einfach nur Spaß. Der Rückweg nach Embrun hielt noch einige scharfe Anstiege wie die gefürchtete Mûr de Champcella bereit, sodass meine
Beine bei etwa 150 km schon ziemlich müde waren. Natürlich hatte ich nur eine ungefähre Ahnung, wie weit ich bis dahin gefahren war, denn meine Uhr lag ja auf dem Grund des Sees und einen
Radcomputer besitze ich nicht. Das machte vor allem die Verpflegung zur Herausforderung, die ich komplett nach Gefühl zu mir nahm. Doch nach der letzten Gemeinheit der Kurssetzer, einem
fiesen 5km Anstieg inklusive technischer Abfahrt direkt in die Wechselzone, hatte ich die Radstrecke geschafft. Das Radfahren lief sehr gut. Mit meiner Radform bin ich dieses Jahr mehr als
zufrieden. (Radzeit 06:53:49)
Doch dieser Kurs hinterlässt in den Beinen einfach seine Spuren und so ging ich sehr verhalten in den Marathon. Die Laufstrecke besteht aus 3 Runden à 14 km und in jeder Runde waren ein
steiler Anstieg und einige kleine Hügel zu bezwingen. Die erste Runde lief noch recht flüssig, doch je länger der Marathon dauerte, um so schwerer wurden die Beine, die Gehpausen länger und
die Verpflegungsstationen zu Sehnsuchtsorten. Der innere Schweinehund wollte sich ins Gras legen, jedes Anlaufen wurde eine Überwindung. Doch frei nach Anne Haug („Wenn man langsamer läuft,
dauert’s ja nur noch länger.“) motivierte ich mich doch immer wieder zu sowas wie Laufen und kam schlussendlich nach 12 Stunden und 7 Sekunden ins Ziel. (Laufzeit: 03:53:59)
Der Embrunman war eine wahnsinnig schöne Erfahrung und ich merke immer wieder, wie sehr mich solche Veranstaltungen motivieren. Ich war vorher unglaublich nervös und nachher überglücklich mit
meiner Leistung und dem Finish. Die Stimmung in Embrun war richtig gut. Ich empfehle den Embrunman jedem, der die Berge liebt und eine ganz besondere Herausforderung sucht. Bei Fragen kommt
gerne auf mich zu.
Euer Jonas
Fotos copyright by Jonas



