| TSV Bad Endorf - Abt. Berglauf und Triathlon | ||||
| Priener Chiemseelauf am 9.5.99 | ||||
Der Chiemseelauf war angesagt. Als Heimlauf hat der Lauf
immer einen besonderen Reiz für mich. Trotzdem war ich heuer nicht
sehr motiviert. Obwohl ich ein gutes Wintertraining absolviert habe,
ging ich doch mit einer gewissen Unsicherheit an den Start, denn der
10.000er in Rosenheim vor 14 Tagen war total mißglückt. 35.20 Min. wurden
da für mich gestoppt, womit ich überhaupt nicht zufrieden war. Aber im Training läuft
es doch ? Also: Zuversichtlich sein.
Nachdem es am Vortag noch stark geregnet hatte, schien jetzt am Wettkampftag
die Sonne. Etwas Kaffee als Frühstück und dann fuhr ich zum Lauf. Bei der
Startnummernausgabe kamen mir Mäx und Hermann entgegen. Ein kurzer Smalltalk
und die üblichen Blödeleien von wegen 'schlecht schaugst aus', dann lief ich
mich warm. Ein Abstecher in die Büsche und jetzt nichts wie weg von der
Laufstrecke. Nochmal etwas allein sein und sich konzentrieren. Wer werden
heute die Gegner sein ? Die Postler hatten nicht gemeldet, aber Uwe Linner
ist da. Den hab ich schon lange nicht mehr geschlagen.
Das Warmlaufen fiel mir schwer. Ich schwitzte, obwohl ich kein Tempo machte.
Wieder kommt Unsicherheit auf. Edi Klauser kommt mir entgegen. Er ist ein
erfahrener Sportler, den ich schon lange kenne. Er bestätigt mir, daß das
Wetter eher schwül ist und daß diese Schwüle gegen Mittag auf der Strecke
sicher noch zunehmen wird. Auch ihm ist es jetzt schon zu heiß. Endlich mal
ein Gespräch, das mir einen Grund für mein schlechtes Gefühl gibt. Also
kann ich wieder zuversichtlicher sein, denn das Wetter betrifft alle.
Die Startzeit kam näher. Ich zog meine Wettkampfkleidung an und begab mich
zum Start. Uwe stand direkt neben mir. Dann der Startschuß. Von Beginn
an setzte sich Uwe an die Spitze, gefolgt von einem Unbekannten. Ich hielt
mich direkt hinter den beiden. Bereits nach 500 m waren keine Verfolger
mehr bei uns. Aber das Tempo war mir zu schnell. Ich wollte die 1.000 m so
zwischen 3.30 - 3.36 Min. laufen, was einer Endzeit um die 1:16.00 entspricht.
Der Unbekannte fragte Uwe nach seiner geplanten Endzeit. Uwe reagierte nicht.
Mir wurde es zu schnell. Ich reduzierte das Tempo und ließ mich zurückfallen.
Nach 1.000 m hatte ich 3.28, das paßt. Der Rückstand betrug schon einige
Meter. Aber das macht nichts. Ich muß mein Tempo laufen, sonst gehe ich
zum Schluß ein. Also lief ich für mich alleine dahin. Von hinten war niemand
mehr zu hören, und die beiden Führenden waren auch schon weit voraus.
Bei km 2 ist Werner Oberauer mit dem Fahrrad auf der Strecke. 'Wer ist der
Unbekannte da vorne ' fragte ich ihn. 'Weiß nicht, vielleicht ein Urlauber'
bekam ich zur Antwort. 'Der sieht locker aus, er wird gewinnen' meinte ich
noch, was mir Werner bestätigte.
So ging es bis Kilometer fünf. Zu diesem Zeitpunkt war der Erste längst
außer Sichtweite, aber Uwe ? Komme ich vielleicht näher ? Tatsächlich,
ganz langsam hole ich ihn ein. Warum ? Ich bin nicht schneller geworden.
Also muß Uwe langsamer werden. Kann er nicht mehr, oder läßt er sich nur
einholen, damit wir in der Gruppe laufen können ? Mal schaun. Etwa bei km
6,5 war ich neben ihm. Ich versuchte gleich mit etwas Tempo an ihm vorbei
zu ziehen, aber er blieb dran. Also liefen wir gemeinsam. Er schnaufte
schon ganz schön, ich war noch locker. Immer wieder beschleunigte ich das
Tempo, um zu testen, ob Uwe mithalten kann. Er konnte. Aber immer
wenn er sich an die Spitze setzte, wurden wir langsamer. Also beschloß ich,
selbst für das Tempo zu sorgen. Die Zwischenzeiten paßten genau zu meiner
Vorgabe. Trotzdem wollte ich mich von ihm absetzen.
Ich beschloß, daß ich einen Angriff nach der Halbzeit der Strecke starte.
Dort gibt es eine Verpflegungsstation und dann geht es ein längeres Stück
bergauf. Ich ließ nochmal Uwe die Führungsarbeit machen. Der Berg tut
uns beiden weh. Endlich, als wir oben sind, trete ich energisch an. In
kurzer Zeit hab ich einen Abstand zwischen uns gebracht. Keine Gegenwehr
von Uwe. Ich muß das Tempo halten. Dann geht es bergab, wo ich mich etwas
ausrasten kann. Wie groß mag der Vorsprung sein ? Umschauen werde ich nicht !
Es beginnt der Abschnitt der Strecke, wo sich die Läufer entgegenkommen.
Viele Anfeuerungsrufe nehme ich wahr. Der Beste kommt wieder
von Edi. '30 Meter' ruft er mir zu, und meint damit
meinen Vorsprung auf Uwe. Super, denke ich mir. Das genügt.
Vom Rest des Rennens gibt es nicht mehr viel zu berichten. Ich lief meinen
Lauf zu Ende und baute meinen Vorsprung Meter um Meter aus. Ein Hochgefühl
in mir kam nochmal auf, als mich etwa 400
Meter vor dem Ziel beim Parkplatz viele Laufkollegen mit stürmischen Applaus
nochmals anfeuerten. Ich hatte zwar beim Zieleinlauf mehr als 5 Minuten
Rückstand auf den Sieger, aber sowohl mit der Zeit, als auch mit der Platzierung war
ich sehr zufrieden. Dieser Lauf gibt wieder Zuversicht für die nächsten
Rennen.
Die Ergebnisliste hat wieder
Jak
Mayer Ergebnisdienst erstellt.